Das Original-Rezept und wie aus der Brathskartoffel die Bratkartoffel wurde |
Henriette Braths war erst ein halbes Jahr in Wien, als sie dem "Journal für die gebildeten Stände" ein Rezept einschickte. Der Verlag hatte alle Leserinnen ermuntert, Küchenrezepte einzusenden. Das Rezept "Die Zubereithung von Röstkartoffeln" erschien in der Ausgabe vom 28. Oktober 1907. Wir drucken es hier im Original ab.
Bemerkenswert ist, dass Henriette Braths zwar das Kartoffelgericht erfunden hat, die Bezeichnung "Brathskartoffeln" jedoch von dem Wiener Redakteur Dr. Franz Gsottermaier stammt, der damals den "Küchenteil" des Journals betreute und sich gerne darin gefiel, an die Beiträge seiner Autoren mehr oder wenige lustige "Redaktionsschwänze" anzuhängen, wie es im Fachjargon der Journalisten heißt.
Das Foto zeigt Dr. Gsottermaier 1929 in Meran (Südtirol), wo er in einen Molkereibetrieb eingeheiratet hatte, um den harten Inflationsjahren in Österreich zu entgehen. Die Ehe ging jedoch in die Brüche und Dr. Gsottermeier beendete seine letzten Lebensjahre als Begleiter wohlhabender Damen, die in der Kurstadt Meran Linderung bei Frauenleiden suchten. Er hatte Sinn für Satire und schrieb in seinem letzten Lebensjahr in sein Tagebuch: "Wenn ich heute gefragt werde, was mich mehr entzückt, eine schöne Frau oder eine Pfanne mit Bratkartoffeln, so neige ich zu letzterem." Doch zurück in das Jahr 1907. Das Rezept verbreitete sich in Windeseile und wurde hundertfach nachgedruckt, wobei aus den Brathskartoffeln zunächst die Bratskartoffeln und dann die Bratkartoffeln wurden, wie wir sie heute alle kennen. Historisch verbürgt ist, dass in der Vossischen Zeitung im Mai 1909 erstmals von Bratkartoffeln die Rede war. Verbürgt ist aber ebenfalls, dass sich Henriette Braths nicht über die Namensgebung ihrer Röstkartoffeln ärgerte, sondern als echt rheinisches Mädchen die Sache eher von der heiteren Seite sah: "Haupsaach ett schmeck!" |